Interzünftiger Sechseläuten-Freitagsanlass
Bei herrlichem Frühlingswetter versammelte sich eine illustre Runde zum interzünftigen Freitagsanlass im Vorfeld des traditionsreichen Sechseläutens in Zürich. Bereits die Anreise versprach Geselligkeit und gelebtes Brauchtum: Auf Gleis 3 trafen sich Vertreter der Heinerich Wirri-Zunft zue Arau der Stadt. Unter ihnen der Alt-Pritschenmeister Reto Berner. Max Hess, der Alt-Statthalter sowie Ueli Maurer, amtierender Pritschenmeister. Ebenso mit von der Partie war unser Altzunftmeister Peter Speck.
Im Speisewagen Ost stiessen wir auf weitere bekannte Gesichter: Mitglieder der Hilari-Zunft zu Olten sowie der Höckeler-Zunft zu Olten hatten sich bereits eingefunden, und so entwickelte sich schon während der Fahrt eine heitere, kameradschaftliche Stimmung.
In Zürich angekommen führte der Weg traditionsgemäss über die berühmte Bahnhofstrasse und den Rennweg hinunter zum ehrwürdigen Hotel Storchen. In der stilvollen Storchenlounge im Erdgeschoss, direkt an der Limmat gelegen, genossen wir einen Aperitif – einen edlen weissen Bordeaux, der die frühlingshafte Stimmung perfekt unterstrich.
Schon bald trafen weitere Zünfter ein. Darunter Vertreter der E.E. Zunft zu Schneidern Basel, mit dabei Rawi Felix, der erste Zunftmeister, dessen Präsenz den Anlass zusätzlich aufwertete. Es folgten angeregte Gespräche und ein lebendiger Austausch unter Gleichgesinnten, ganz im Sinne der zünftigen Verbundenheit.
Der nächste Halt führte uns hinauf auf den Lindenhof, den historischen Platz der Kantone, wo wir – wie es schöne Tradition ist – auf weitere bekannte Persönlichkeiten trafen. Besonders erfreulich war das Wiedersehen mit Martin Bachmann, Sohn unseres Zünfters Hermann Bachmann, Hoch zu Pferd führt er jeweils die Reiter an.
Anschliessend begaben wir uns ins traditionsreiche Zunfthaus zur Zimmerleuten. Dort erwartete uns ein festlicher Abend mit schottischer Dudelsackmusik, würdigen Ansprachen und einem ausgezeichneten Nachtessen. Serviert wurden klassische Zürcher Spezialitäten – ein gelungenes Menü, das mit einer feinen Cremeschnitte seinen krönenden Abschluss fand.
Beseelt von den Eindrücken, erfüllt von Kameradschaft und getragen von der lebendigen Tradition machten wir uns spätabends auf den Heimweg.
Historischer Hintergrund des Sechseläutens
Das Sechseläuten gehört zu den bedeutendsten traditionellen Festen Zürichs und geht in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurück. Der Name leitet sich vom „Sechs-Uhr-Läuten“ der Kirchenglocken ab, das einst den Beginn der sommerlichen Arbeitszeit markierte.
Zentraler Bestandteil ist der Umzug der Zünfte in historischen Gewändern sowie das Verbrennen des „Böögg“, einer Schneemannfigur, deren Explosion symbolisch den Winter vertreibt. Je schneller der Kopf des „Bööggs“ explodiert, desto schöner – so der Volksglaube – wird der kommende Sommer.
Der Freitagsanlass vor dem eigentlichen Festwochenende bietet den Zünften die Gelegenheit zum interzünftigen Austausch und zur Pflege von Freundschaften. Gerade diese Begegnungen abseits der grossen Umzüge sind es, die den besonderen Geist des Sechseläutens ausmachen: Tradition, Gemeinschaft und die lebendige Weitergabe von Brauchtum über Generationen hinweg.